Whisky, Wein & Luxusgüter als Investment – lohnt sich das?

In Zeiten hoher Inflation und volatiler Aktienmärkte suchen viele Anleger nach greifbaren Werten. Whisky, Wein und Luxusgüter gelten als exotische Ergänzungen zum Portfolio. Doch lohnt sich der Einstieg in diese «passion assets» wirklich? Der folgende Artikel beleuchtet die Chancen und Risiken.

Whisky: Von der Spekulation zur langfristigen Anlage

Der Hype um Whiskyflaschen und -fässer ging nach dem pandemiebedingten Boom in eine Phase der Ernüchterung über. Anstatt schnelle Gewinne durch das „Flippen“ seltener Releases zu erzielen, etablierte sich Whisky als Alternative mit längerem Anlagehorizont. Seltene Flaschen haben in den vergangenen Jahren zweistellige Renditen erzielt, doch 2024 erlebte der Markt eine deutliche Korrektur. Anschließend stabilisierte sich das Preisniveau, wobei Premium-Destillerien wie Macallan, Ardbeg oder Dalmore erneut Käufer anzogen.

Die neuen Marktbedingungen verlangen Disziplin. Wertsteigerungen beruhen vor allem auf Seltenheit und Alter, denn mit jeder konsumierten Flasche verknappt sich das Angebot. In Casks investierte Anleger müssen sich auf Reifezeiten von mindestens 8–18 Jahren einstellen; während der Lagerung verdunstet ein Teil des Destillats („Angel’s Share“), und es fallen Lagergebühren an. Dokumentation und Eigentumsnachweis sind essenziell, da der Markt unreguliert ist und Betrugsfälle vorkommen können. Gleichzeitig zeigt Whisky nur eine geringe Korrelation zu Aktienmärkten – ein Vorteil in turbulenten Zeiten.

Wein: Zyklisch, aber mit langfristiger Perspektive

Auch der Markt für feine Weine erlebte nach Jahren des Wachstums eine Korrektur. 2024 gingen die Preise um etwa zehn Prozent zurück. Ab Ende 2025 zeichnete sich jedoch eine Bodenbildung ab: wichtige Wein‑Indizes drehten leicht ins Plus, die Handelsspannen verengten sich und die Liquidität kehrte zurück. Studien zeigen, dass über neunzig Prozent der Vermögensverwalter für 2026 von steigender Nachfrage ausgehen und Wein nicht mehr als Nischenasset, sondern als stabilen Portfoliobaustein betrachten.

Historisch erzielten Spitzenweine jährliche Renditen von acht bis zehn Prozent. Allerdings ist der Markt zyklisch und illiquide: Flaschen müssen fachgerecht gelagert und versichert werden, und der Verkauf erfordert oft einen spezialisierten Händler. Fälschungen, hohe Kaufspreads und die lange Kapitalbindung sind weitere Risiken. Wer investieren möchte, sollte diversifizieren – beispielsweise Bordeaux, Burgund, Champagne, Kalifornien oder Toskana mischen –, Qualitätsweingüter bevorzugen und Geduld mitbringen.

Luxusgüter: Uhren, Schmuck, Handtaschen & Klassiker

Neben Whisky und Wein erlebt eine wachsende Zahl von passion assets einen Boom. Der «Knight Frank Luxury Investment Index» misst die Preisentwicklung verschiedener Sammlerobjekte und zeigt große Unterschiede:

Uhren

Mechanische Luxusuhren sind als Anlage anerkannt. Laut aktuellen Erhebungen stiegen die Preise für Spitzenmodelle über die letzten zehn Jahre um mehr als 100 Prozent. Uhren erzielten damit eine bessere Wertentwicklung als Gold und zahlreiche andere Anlageklassen. Dennoch gilt auch hier: nicht jede Uhr ist ein Investment. Werthaltigkeit bieten v. a. sportliche Modelle renommierter Marken wie Rolex, Patek Philippe oder Audemars Piguet, möglichst in limitierter Auflage und im Originalzustand mit Box und Papieren. Gute Stücke sollten mindestens fünf bis zehn Jahre gehalten werden. Die Risiken umfassen Fälschungen, hohe Einstandspreise, teure Revisionen und begrenzte Liquidität.

Schmuck & Edelsteine

Hochwertiger Schmuck profitierte in den vergangenen Jahren von steigenden Edelmetallpreisen und knappen Farbedelsteinen. Laut Daten stiegen die Preise für Investment‑Schmuck 2024 um rund 2,3 Prozent; über zehn Jahre lag das Plus bei über 30 Prozent. Gefragt sind Stücke von Maison Cartier, Van Cleef & Arpels oder Tiffany & Co., vor allem solche mit besonderen Edelsteinen wie burmesischen Rubinen oder kashmirischen Saphiren. Dennoch ist die Wertentwicklung stark an den Goldpreis gekoppelt; Lagerung, Versicherung und sichere Aufbewahrung verursachen zusätzliche Kosten.

Handtaschen

Designer‑Handtaschen – allen voran die Hermès Birkin oder Kelly – gelten als das «Sparbuch für die Garderobe». 2024 legten sie trotz schwacher Märkte um knapp 2,8 Prozent zu und verzeichneten in den letzten zehn Jahren eine Wertsteigerung von rund 85 Prozent. Die Faktoren für Wertzuwachs sind begrenzte Produktion, lange Wartelisten und starke Nachfrage. Allerdings profitieren hauptsächlich Top‑Marken wie Hermès, Chanel oder Louis Vuitton; der Wiederverkauf erfordert oft spezielle Auktionshäuser, und Zustand sowie Originalpapiere sind entscheidend.

Klassische Autos, Goldmünzen & weitere Sammelobjekte

Der Markt für Oldtimer ist heterogen: Während seltene Sportwagen wie Ferrari F40 oder Porsche 959 im Jahr 2025 zweistellige Zuwächse verzeichneten, stagnieren viele Modelle wie Jaguar E‑Type seit Jahren. Experten betonen, dass nur außergewöhnliche Fahrzeuge mit lückenloser Historie wertstabil sind. Goldmünzen und -barren erfuhren 2024 einen Preisanstieg von über zwei Prozent und profitierten von der Flucht in sichere Häfen; über die letzten zehn Jahre legten sie um fast 50 Prozent zu. Andere Sammelbereiche wie Kunst oder Möbel hinkten jüngst hinterher und erlitten sogar deutliche Preisrückgänge.

Risiken, Illusionen und praktische Tipps

  • Lange Bindung: Der Erwerb von Whiskyfässern, Wein oder Uhren bindet Kapital oftmals über viele Jahre. Kurzfristige Spekulation führt selten zum Erfolg.
  • Illiquidität: Der Verkauf erfordert Zeit, Expertise und oft spezialisierte Vermittler. Schnell an Bargeld zu kommen ist schwieriger als bei Aktien oder Fonds.
  • Hohe Nebenkosten: Lagerung, Versicherung, Wartung und Auktionsgebühren schmälern die Rendite.
  • Fälschungen und Betrug: Nicht regulierte Märkte ziehen unseriöse Anbieter an. Echtheitszertifikate, belegbare Provenienz und der Kauf bei etablierten Händlern sind Pflicht.
  • Emotionale Bindung: Leidenschaft kann rationales Handeln überlagern. «Joy of ownership» ist für viele Sammler wichtiger als Rendite, sollte aber nicht zur Fehlinvestition führen.

Fazit: Diversifikation und Leidenschaft

Whisky, Wein und Luxusgüter können attraktive Ergänzungen für diversifizierte Portfolios sein, wenn Anleger bereit sind, sich intensiv mit den Märkten auseinanderzusetzen und lange zu warten. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass selbst stark gefragte Sammelobjekte von Korrekturen nicht verschont bleiben. Wer sich für diese Anlageformen interessiert, sollte mit kleinen Positionen beginnen, Expertenrat einholen und nur Kapital einsetzen, auf das er verzichten kann. Dann bieten diese «passion assets» nicht nur die Chance auf Wertsteigerung, sondern auch die Freude am Besitz außergewöhnlicher Stücke.

Nach oben scrollen